Brasilien

Rio Negro: Regenfälle zur falschen Zeit

André Baniwa

© Emil Benesch

Dürre am Rio Negro 2018

© Juliana Radler, ISA – Instituto Socioambiental

„Mein Name ist André Baniwa. Wie mein Name schon sagt, gehöre ich dem indigenen Volk der Baniwa an. Meine Muttersprache ist Baniwa. Ich bin etwa 45 Sommer alt – so pflegen wir zu sagen, um die Bedeutung der trockenen Sommerperiode für unsere Kultur und unser Leben hervorzuheben. Ich wurde in Tucumã Rupitá geboren, einem Dorf mit 200 Einwohner*innen am Rio Içana, einem Nebenfluss des Rio Negro im Nordwesten von Brasilien. Um unsere Region auf der Karte zu finden, suchen Sie nach dem „Hundekopf” am oberen Rio Negro, denn so wird sie auch genannt. Seit 27 Jahren bin ich in der indigenen Bewegung engagiert und bin betroffen über die Änderungen im Laufe der letzten Jahre. Im Februar 2012 führten lang anhaltende Regenfälle statt einer wie üblich sonnigen und trockenen Periode bei uns zu einer Hungerzeit, weil die Maniokwurzeln wegen dieser Regenfälle zur falschen Zeit im Boden zu verfaulen begannen.“

Eine ungewöhnliche Kooperation angesichts globaler Herausforderungen

Almerinda Ramos de Lima

© Klimabündnis Österreich, Photo: Emil Benesch

“Unsere Völker leben hier seit 3.000 Jahren und haben seitdem einen Kalender entwickelt, der die Vorbereitung der Felder in unseren trockenen Sommermonaten vorsieht: jede Familie schafft dann neuen Raum im Wald für Felder. Die Männer fällen die Bäume und verbrennen sie. Die Asche dient als Dünger für die neuen Pflanzungen. Doch die Regenfälle im Februar 2012 machten das Verbrennen der gefällten Bäume unmöglich, und keine neuen Felder konnten in diesem Sommer vorbereitet werden. Danach begann wieder die Regenzeit – also keine Chance für neue Felder. Wenn man bedenkt, dass wir unsere Felder nur zwei Jahre für den Anbau von Maniok, Ananas und Pfeffer benutzen können, bevor die Vegetation des Regenwaldes wieder alles überwuchert, dann wurde die Anbaufläche jeder Familie durch den nassen Sommer 2012 halbiert.”

WISSENSCHAFTLICHER HINTERGRUND

Die jährlichen Niederschläge in der Region am Rio Negro betragen 3.460 mm. Die massiven Änderungen bei den Niederschlägen in den letzten Jahren im Gebiet des Rio Negro zeigen sich in seiner Wasserführung. Im Jahr 2009 führte er soviel Wasser wie noch nie in der Geschichte und in den letzten Jahren wurden immer wieder Dörfer, Stadtviertel und Felder teilweise überschwemmt. Andererseits gab es häufiger Dürren, die zum Austrocknen ganzer Nebenflüsse führten. Viele Dörfer werden von der Außenwelt abgeschnitten, Wasser und Fische werden knapp. Zuletzt wurde 2018 der Notstand ausgerufen, weil die Versorgung der Region über den Wasserweg zusammenbrach. Die durchschnittlichen Monatsmittel der Niederschläge in Sao Gabriel da Cachoeira am Rio Negro zeigen weniger Niederschläge in den Sommerperioden, wenn traditionell die neuen Felder angelegt werden. Z. B. wichen 2012 die Zahlen deutlich von den Monatsmittel der vergangenen 30 Jahre (1961 bis 1990) ab.

ZUM HINTERGRUND DER BEZIEHUNG VON KLIMABÜNDNIS ÖSTERREICH ZUR REGION RIO NEGRO

Das Hauptziel der Föderation der indigenen Organisationen der Region Rio Negro (FOIRN) ist die Verteidigung der Rechte der 23 indigenen Völker (50.000 Menschen), die dort leben. Der wichtigste Erfolg ist die Schaffung indigener Territorien mit einer Größe von 135.000 km2. In diesen Gebieten können die Indigenen ihre nachhaltige Lebensweise beibehalten, und dies hat zur Folge, dass 99,94 % des Regenwaldes intakt geblieben sind.

FOIRN und Klimabündnis Österreich unterstützen sich seit 1993 in gegenseitiger Partnerschaft..