

„Seit über 35 Jahren lebe ich im Rio Negro, das ist ein Teil von mir. Aber jetzt ist das, was mal Überfluss war, echt hart geworden. Die Boote kommen nicht mehr zu uns, die Kanus bleiben im trockenen Schlamm stecken und viele Fische sind verschwunden. Das Wasser, das wir zum Trinken und Kochen verwenden, ist trüb und voller Schmutz. Wir müssen es rationieren und warten, bis der Regen die Flüsse wieder füllt. Es gibt kranke Menschen und Kinder mit Durchfall. Auch die traditionelle Land-wirtschaft hat Schwierigkeiten bei der Produktion von Maniok und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Wir leben vom Fischfang und von der Landwirtschaft, aber mit jedem Tag wird die Ernährungssicherheit schwieriger. Wir hätten nie gedacht, dass der Fluss, der unsere Straße, unsere Nahrung, unser Leben ist, unter den Folgen des Klimawandels leiden würde. Wir haben Angst vor dem, was in den nächsten Jahren kommen könnte. Die Dürre und die Überschwemmungen machen uns isoliert und vergessen.”
– Dario Casimiro Baniwa, Präsident DES DachverbandS der indigenen Organisatio-nen am Rio Negro (FOIRN) (2025)
„Die vergangenen Jahre seien im Amazonasgebiet von extremen Ereignissen geprägt gewesen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Die Jahre 2021 & 2022 waren von großen Überschwemmungen, die Jahre 2023 & 2024 von großen Dürreperioden geprägt.”¹
– Artur Matos, nationaler Koordinator des hydrologischen Warnsystems des SGB


Die zunehmende Dürre in Brasilien steht im Zusammenhang mit dem Wetterphänomen El Niño, dem Klimawandel und den Folgen jahrzehntelanger Abholzung. Durch die Zerstörung von rund 20 % des Regenwaldes fehlt es an Bäumen, die den Wasserkreislauf regulieren. Mit weniger Niederschlag sterben weitere Bäume, was das Risiko einer dauerhaften Umwandlung des Regenwaldes in eine trockene Savanne erhöht.² ³
AUSWIRKUNGEN AUF DAS FLUSS-ÖKOSYSTEM
Im Amazonasgebiet hat die zunehmende Dürre verheerende Auswirkungen auf die Flüsse, die für das Ökosystem sowie für die lokale Bevölkerung von zentraler Bedeutung sind.⁴ Ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen von bis zu 40 °C belasten das Fluss-Ökosystem und Tiefstände von lebenswichtigen Wasserquellen gefährden bedeutende Verkehrsrouten.⁵

FLÜSSE ALS VERKEHRSNETZ
Flüsse wie der Rio Negro, Tefé und Amazonas dienen vor allem in abgelegenen Gebieten als natürliche „Straßen”. Mit sinkenden Wasserständen werden diese Flüsse jedoch zunehmend unpassierbar, was den Transport von Gütern, die Versorgung mit Lebensmitteln und die medizinische Hilfe erheblich erschwert. Diese Flüsse sind lebenswichtige „Adern” des Regenwaldes, doch die Kombination aus Klimawandel, dem Wetterphänomen El Niño und der fortschreitenden Abholzung des Waldes bringt diese einzigartigen Ökosysteme an ihre Belastungsgrenze.⁶
Quellen: